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Veröffentlicht am 08.07.2024
Janna Kühne, funky-Redakteurin
Stefan besucht ein ländlich geprägtes Gymnasium im Spreewald. Nach dem Abitur möchte der 17-Jährige Jura studieren und sich für soziale Projekte engagieren. Zaradacht, 23 Jahre alt, macht gerade sein Fachabitur in Neusäß bei Augsburg. Nach dem Abitur hat er vor, Politikwissenschaften zu studieren. Im Interview berichten die beiden, was Schülerinnen und Schüler aktuell beschäftigt, und geben einen Überblick über den digitalen Querschnitt, der in den deutschen Klassenzimmern vorzufinden ist. Und natürlich wird auch geklärt: Wie soll die Schule von morgen idealerweise aussehen?
Zaradacht Gimo: Ich selbst bin bis zur neunten Klasse Mittelschüler gewesen und komme aus keinem bildungsnahen Haushalt. Für mich ist das Engagement als Schülersprecher eine Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und die bayerische Bildungspolitik in einem gewissen Maße mitgestalten zu dürfen. Seit Ende November letzten Jahres bin ich für den Landesschülerrat tätig und wurde zum stellvertretenden Schülersprecher für die Fachoberschulen und Berufsoberschulen Bayerns gewählt. Ich habe Lust, die Bildungslandschaft mitzugestalten.
Stefan Tarnow: Ich habe in der sechsten Klasse vom Landesschülerrat erfahren und schon damals davon geträumt, selbst dabei zu sein. Heute bin ich Sprecher des Landesschülerrats von Brandenburg. Der Landesschülerrat ist mir wichtig, weil wir den Stimmen der Schülerinnen und Schüler Gehör verschaffen.
- Zaradacht Gimo
Stefan Tarnow: Ein großer Erfolg war, dass wir Hygieneartikel für die Brandenburger Schulen gefordert haben, und nun läuft die Pilotphase seit einem Jahr. Es werden Tampons und Binden auf den Toiletten bereitgestellt.
Zaradacht Gimo: Die Berufsoberschulen-Schülerinnen und -Schüler hatten bisher die Pflicht, je nach Ausbildung einen bestimmten Zweig der Berufsoberschule zu besuchen. Das fällt in Zukunft weg. Dafür haben wir uns aktiv beim Kultusministerium eingesetzt.
Zaradacht Gimo: Es geht viel um die psychische Gesundheit und den Leistungsdruck im Allgemeinen. Aber auch die Digitalisierung spielt eine wichtige Rolle. Ich besuche eine sehr gut ausgestattete Schule. Wir haben nicht nur Smartboards, die Lehrkräfte binden auch aktiv Medien ein. Das sollte natürlich weiter ausgebaut werden. Einige Schulen haben in den letzten Jahren gut saniert, aber die meisten haben den Digitalpakt verschlafen. Da gibt es großen Nachholbedarf. Viele Lehrkräfte müssen die digitalen Mittel noch mehr akzeptieren und sie als das betrachten, was sie sind – unerlässlich, denn es geht nicht mehr ohne.
Stefan Tarnow: Auch bei uns spielt der unterschiedliche Stand in Sachen Digitalisierung eine große Rolle. Wir haben in Brandenburg und wahrscheinlich generell in Deutschland sehr unterschiedliche Situationen an den Schulen. Einige Schulen haben WLAN und alle Schülerinnen und Schüler verfügen über ein Tablet. Aber einige Schulen arbeiten noch mit dem Overhead-Projektor. Meine Schule wird jetzt im Februar mit WLAN und Smartboards ausgestattet. Ganz wichtig ist auch der Lehrkräftemangel in Brandenburg. Er ist immer ein Thema, egal, was man angehen möchte. Das Problem ist: Es gibt keine richtige Lösung. Der Lehrerberuf muss insgesamt attraktiver werden. Das Studium muss besser werden und mehr auf das vorbereiten, was an den Schulen passiert. Ein anderes großes Thema ist der Rechtsextremismus. Auch hier gibt es seitens des Gesetzgebers keine Lösungen, wie man damit umgehen soll. Es gibt lediglich Handreichungen für das Personal. Das reicht nicht aus. An meiner Schule ist vom Hakenkreuz bis zum rechtsextremen Gedankengut alles dabei. Ich schätze, dass mindestens zehn von 100 Schülerinnen und Schülern rechts orientiert sind.
- Stefan Tarnow
Zaradacht Gimo: Idealerweise wird Medienkompetenz schon in der Grundschule vermittelt. Sie muss ein integraler Bestandteil des Unterrichts werden. Und da Medien und Technik in Zukunft eine noch größere Rolle spielen werden, als sie es heute bereits tun, muss die Schule auch darauf eingehen. Es sollte eine digitale Lernplattform geben, die vom Land gefördert wird. Dasselbe gilt für die Künstliche Intelligenz: Uns steht es frei, sie zu nutzen. Aber uns ist auch klar, dass diese Nutzung in die Bewertung mit einfließt. Es müsste eine offene Kommunikation darüber geben, wie bewertet wird. KI müsste als legitimes Werkzeug akzeptiert werden, da sie nun einmal da ist und einige Schülerinnen und Schüler sie ohnehin schon nutzen.
Stefan Tarnow: Schule von morgen sollte in meinen Augen in kleineren Kursstärken stattfinden, damit Wissen gezielt und individuell vermittelt werden kann. Lehrkräfte sollten mehr die Rolle von Moderatoren einnehmen und den Unterricht abwechslungsreich und multimedial gestalten. Lehrkräfte dürfen das Smartboard auch nicht einfach als Tafelersatz nutzen. Die Kompetenzen müssen sich ändern. Lehrkräfte müssen ihre Lehrinhalte dementsprechend anpassen, damit es spannend bleibt.
Stefan Tarnow: Ein spannender Unterricht ist davon abhängig, welche Rolle eine Lehrkraft einnimmt. Diese sollte zum Diskutieren und Nachdenken anregen. Außerdem müssen Exkursionen gefördert werden. Vor allem auch in der politischen Bildung. Wir haben in der Oberstufe nur über Demokratietheorie gesprochen. Wie wäre es, daraus ein Projekt zu machen? Beispielsweise, indem die Schülerinnen und Schüler eigene Parteien gründen. Daran könnte man Prinzipien wie den Pluralismus erklären. Der Unterricht wäre weniger trocken.
Zaradacht Gimo: Es liegt hauptsächlich an der Lehrkraft. Im Unterricht sollten Medien eingesetzt werden, sodass eine Mischung an Unterrichtsformen stattfindet. Und natürlich gehört dazu auch die Einbindung der Schülerinnen und Schüler. Für mich sind Gruppenarbeiten die spannendsten Unterrichtseinheiten.
Unterricht
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Selbstlernen